By Andreas Nick on Sonntag, 19. Februar 2017
Category: App-V

10 Gründe warum auf App-V verzichtet wurde und warum man es nun endlich angehen sollte

Softwareverteilung, die Anwendungspaketierung und der anschließende Integrationstest gehören zu den kostenintensivsten Positionen im Budget in einer Enterprise IT Umgebung. Ein Unternehmen sollte heute wieder über mögliche Alternativen wie die Softwarevirtualisierung mit App-V nachdenken, auch wenn frühere Anläufe dazu gescheitert sind oder eine Machbarkeit verworfen wurde. Vieles hat sich geändert und dieser Artikel zeigt die Gründe dazu auf.

Mit Microsoft Application Virtualization 5 (App-V) existiert nun seit fast 5 Jahren ein Verfahren, um Applikationen als virtuelle Anwendung auf einen Computer zu bringen. Durch die Softwarevirtualisierung werden die Kosten der Softwarebereitstellung stark reduziert und das Beste dabei, viele Unternehmen haben die Technik schon lizensiert, ohne davon zu wissen. Sobald ein Unternehmen Windows 10 Enterprise einsetzen darf, kann auch die Anwendungsvirtualisierung Microsoft App-V 5 genutzt werden.
Mit App-V 5 laufen die Anwendungen in eigene virtuellen Umgebungen. Die Paketierung (bei App-V sprechen wir von Sequenzierung) von Anwendungen reduziert sich oft auf wenige Stunden oder sogar Stundenbruchteile im Gegensatz zu anderen Paketierungsverfahren, wo es oft Tage sind. Die Verteilung kann On-Demand und im laufenden Betrieb erfolgen. Das lästige An- und Abmelden und lange Wartezeiten bei der Installation entfallen weitgehend. Selbst betriebswichtige Anwendungen können im Tagesgeschäft aktualisiert werden ohne den Benutzer stark zu beeinträchtigen. Middleware wie das Java Runtime Environment (JRE) kann durch die Virtualisierung in mehreren Versionen auf einem System existieren ohne Versionskonflikte zu erzeugen. Auch Komponenten wie die SAP GUI werden inzwischen offiziell unterstützt und es existiert eine Anleitung zur Paketierung:
https://blogs.msdn.microsoft.com/sgern/2014/12/03/sap-gui-app-v-5/

Insbesondere bei Terminalservern sollen möglichst alle Anwendungen auf einem Server bereitstellen werden– mit der App-V und Anwendungsisolation wird eine Silobildung vermieden. Auch hier ist das Einsparungspotential groß. Lesen Sie den den vollständigen Artikel mit 10 Argumenten: „Warum auf App-V verzichtet wurde und warum man es nun endlich angehen sollte“


Nachdem das Produkt App-V 5 inzwischen fast 5 Jahre weiterentwickelt wurde, laufen nun oft sogar komplexe Java Anwendungen und viele komplexe Altanwendungen auf Anhieb, die mit den ersten Versionen viele Probleme bereitet haben.
Bei so vielen Möglichkeiten stellt sich die Frage, warum man in Deutschland so lange so wenig von diesem Produkt hört? Seit Jahren gibt es kaum neuen Publikationen. Wohingegen viel über neue Layering Verfahren (Layer aus Festplattenimages) gesprochen und geschrieben wird, um Anwendungen damit bereitzustellen. Leider nutzen im Gegensatz zu einer Softwarevirtualisierung genau diese Verfahren meist keine Anwendungsisolation und nutzen keine echte virtuelle Umgebung. Weiterhin ist App-V nun ein Teil von Windows 10 und hier endet der Support frühestens in 10 Jahren. Wohingegen viele andere Verfahren wie beispielsweise das Citrix Application Streaming nach einiger Zeit wieder vom Markt verschwunden sind. Wir können uns sicher sein, Microsoft App-V wird bleiben!

Warum wird Microsoft App-V noch immer in so wenigen Umgebungen genutzt und das obwohl das Einsparungspotential und der Zusatznutzen mit App-V so groß ist?

10 Argumente und Gründe dagegen: „Warum auf App-V verzichtet wurde und warum man es nun endlich angehen sollte“:

1. Wir haben das „App-V“ schon 2013 getestet! Mit der ersten Version von App-V 5 im November 2012 wurde das Produkt von vielen Unternehmen getestet. Einige Kollegen, die ich auch erleben durfte sprachen „wie immer“ von 80 bis 90% Virtualisierungsraten mit App-V 5. Das war vielleicht bei 4.6 zu diesem Zeitpunkt erreichbar. Mit 5.0 war das Frustpotential groß und vieles hat nicht gleich funktioniert. Nach einem ersten Test wurde die Technologie verworfen. Oft fehlt auch Knowhow für ein tieferes Verständnis mit dem man auch schon damals viele Probleme umgehen konnte.
=> Diese Probleme sind inzwischen nicht mehr vorhanden! Spätestens seit App-V 5.1 HF5 sind auch weiterhin viele Probleme mit Java verschwunden.

2. Es schaut leichter aber war dann doch oft zu komplex! Bei rund 70% der Pakete ist die Paketerstellung sehr leicht. Ein Paket wird nach kurzer Zeit funktionieren und es ist sehr schneell durch eine einfache „Installation“ des Herstellersetups (setup.exe etc.) im App-V Sequencer erstellt (der Vorgang nennt sich Sequenzierung). Leider bleiben 30% an Paketen, die Knowhow in der App-V Paketierung erfordern.
=> Mit entsprechenden Schulungen kann die Administration und die Paketierung auf den Einsatz von App-V vorbereitet werden.

3. Mit App-V kann bei uns nicht ich nicht jede Software verteilen werden! Mit einer Microsoft App-V Infrastruktur können Sie nur App-V Pakete verteilen. Diese ist jedoch oft gar nicht notwendig.
=> App-V kann mit jeder anderen Paketverteilung (wie SCCM) interagieren und kann als alternative für MSI- und andere Pakete genutzt werden. Durch die Möglichkeit, ein App-V Paket mit wenigen PowerShell Befehlen auszurollen, kann App-V die Paketierung für jedes Softwareverteilungssystem vereinfachen.

4. Mir fehlt die Unterstützung von Treibern! Treiber und bestimmte Komponenten (wie Com+) und bestimmte Dienste können nicht virtualisiert werden.
=> Das ist nur teilweise richtig. Dienste und Treiber können extern über App-V Skripte eingebunden werden. Microsoft nutzt diese Technik selber im Office Deployment Kit. Selbst wenn Treiber separat installiert werden, ist der Nutzen der Softwarevirtualisierung noch immer gewaltig.


5. App-V kostet zu viel Leistung und Performance auf unseren Servern! App-V führt zu leichten Leistungseinbußen bei der Nutzung einer Applikation.
=> Auch hier hat sich seit der ersten App-V Version viel getan. Microsoft hat das Produkt schneller gemacht. Mit bestimmten Virtualisierungstechniken kann zusätzlich in einer virtuellen Anwendung sehr viel an der Performance optimiert werden. Bei unseren
 Kunden bedeutet der aktuell vielleicht noch leichte Performanceverlust keine Einschränkung.

6. Wir haben schon alles was wir brauchen! Im Unternehmen sind alle Anwendungen paketiert, die Prozesse laufen. Daher wird bewusst auf etwas Neues wie App-V verzichtet.
=> Irgendwann muss jede Applikation einmal neu paketiert werden. Hier kann mit App-V erheblich Aufwand eingespart werden. Lange Anmelde- oder Abmeldezeiten bei Softwarebereitstellung werden vermieden. Wichtige Anwendungen können ohne Neuanmeldung der Benutzer im laufenden Betrieb bereitgestellt werden. Die Einführung von App-V kann nach und nach parallel zu der vorhandenen Softwareverteilung erfolgen.

7. Wir haben eine Softwarevirtualisierung im Unternehmen! Sie nutzen ein existierendes Verfahren oder eine ähnliche Lösung wie das Layering von Softwareimages.
=> In diesem Fall sind Sie auf dem richtigen Weg. Jedoch bietet Ihnen Microsoft mit App-V die Sicherheit, dass es das Produkt auch noch in 10 Jahren gibt. Weiterhin haben Sie es vielleicht schon jetzt und ohne es zu wissen lizensiert. Dann können Sie sich teure Softwarewartung bei einem anderen Hersteller sparen. Möglicherweise bereitet das ausgereifte App-V 5 bei Ihnen letztlich weniger Probleme.

8. Wir hätten schon gerne umgestellt aber die Kosten! Im Unternehmen existiert eine Paketierung und es sind hunderte Softwarepakete vorhanden. Eine Umstellung kostet viel Geld und die Kosten dafür werden durch die Vorteile von App-V vielleicht erst in vielen Jahren wieder hereingeholt.
=> Mit App-V kennen wir heute viele Möglichkeiten, um vorhandene Softwarepakete automatisiert zu konvertieren. Die letzten Anpassungen sind im Anschluss meist nicht sonderlich aufwändig. Eine Möglichkeit wird in diesem Blog beschrieben: https://goo.gl/jRnnhE

9. Uns wurden 90% versprochen jedoch nichts erreicht! Manchmal war es so, dass ein Vertriebsmitarbeiter eine neunzigprozentige Virtualisierungsrate versprochen hat. Im Jahr 2013 hat dann aber ca. jede 2. Applikation nicht gleich funktioniert.
=> Tatsächlich werden heute in Projekten mit App-V 5 und den aktuellen Versionen in meinem Erfahrungsbereich durchaus 80, 90 oder gar alle Applikationen einer Kundenumgebung virtualisiert. Die Zeit der Kinderkrankheiten des Produktes App-V ist vorbei.


10. Mit der Virtualisierung unserer Software verlieren wir den Herstellersupport! Bei Supportanfragen wird ein Hersteller vielleicht App-V nicht kennen und den Support für sein eigenes Produkt verweigern.
=> Die Befürchtung ist unbegründet. Die meisten Hersteller kennen inzwischen App-V. Selbst wenn der Support dennoch verweigert wird, kann eine App-V Anwendung auch immer konventionell installiert werden, sollte es je zu so einem Problem kommen. Der Sequenzer bringt zudem die Möglichkeit mit, ein App-V Paket auch wieder zu expandieren. Die Anwendung erscheint dann auf so einem System so, als sei eine lokale Installation mit einem Herstellersetup erfolgt und einer Supportanfrage steht nichts mehr im Weg.

Fazit

Aus den genannten Gründen sollte sich jedes Unternehmen heute wieder mit der Softwarevirtualisierung App-V von Microsoft befassen. Die Vorteile sowohl bei den Benutzern als auch in der IT Administration sind gewaltig. Ich habe Kunden, die ohne eine Paketierungsabteilung inzwischen nebenbei selber die meisten ihre App-V Softwarepakete erstellen. Bei diesen Kunden erfolgt eine externe Paketierung nur für wirklich aufwändige Paketanforderungen. Viele Testprozesse sind entfallen und die Benutzer werden nicht mehr durch mit langen Wartezeiten bei Installationsprozessen bei der Arbeit gestört.
Warum könnte ich Ihnen diese Antworten liefern?

Mit dem AppBot, unserem Konverter für Citrix Application Streaming Paketen nach App-V kam es zu vielen neuen Kundenkontakten in DACH und auch Weltweit. In den letzten zwei Jahren durften wir bei vielen Kunden Workshops und Schulungen zu Microsoft App-V mit unseren eigenen deutschsprachigen Schulungsunterlagen durchführen. Bei manchen Kunden im Anschluss eines Workshops auch gleich das App-V Projekt begleiten oder ein Migrationsprojekt von Citrix Application Streaming bzw. App-V 4.6 nach App-V 5 durchführen. Bei einigen dieser Kunden lief schon einmal App-V Projekte bei anderen wurden diese Projekte nur Teilweise umgesetzt. Ein Extremfall war beispielsweise, dass ein Kunde eine App-V 5 Schulung wollte und ein Trainer, der nur App-V 4.6 kannte schulen wollte. Manchmal fehlt auch nur Knowhow, wie App-V korrekt in einer Citrix oder reinen Microsoft Umgebung zu nutzen ist. Bauen Sie das notwendige Knowhow auf und geben Sie App-V eine Chance. Es wird sich für das Unternehmen lohnen.

Ein guter Einstieg ist der App-V Tag 2017 am 28. April 2017 bei Microsoft in München:

https://www.eventbrite.de/e/app-v-tag-2017-tickets-31414701217

Mein Thema ist u.a. wie man massenweise MSI- und andere Paketarten automatisiert automatisiert mit PowerShell nach App-V konvertieren kann. Es gib noch viele andere spannende Vorträge an diesem Tag und auch ein tolles Networking.

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